Cross-border Versand nach Frankreich

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5 Tipps für erfolgreichen E-Commerce in Frankreich

Unser Nachbarland Frankreich ist für viele deutsche Unternehmen ein attraktives Zielland für die Erweiterung Ihres E-Commerce. Die geographische Nähe und der stetig wachsende E-Commerce-Sektor sind dabei wichtige Faktoren, die der Internationalisierung in die Hände spielen. Laut dem französischen E-Commerce und Versandhandelsverband Fevad, überschritt der Umsatz im Versandhandel 2019 erstmals 100 Milliarden Euro. 2019  wurden insgesamt Waren und Dienstleistungen im Wert von 103,4 Milliarden Euro über den Onlinekanal vertrieben, mit einem Umsatzplus von 11,6% im Vergleich zum Vorjahr!
Damit es mit der Internationalisierung nach Frankreich auch für Ihr Unternehmen klappt, haben wir fünf wertvolle Tipps für Sie zusammengestellt, die die Besonderheiten des französischen Marktes und der Konsumenten aufgreifen.

1. Franzosen lieben ihre Sprache

Dass Franzosen Fremdsprachen gegenüber nicht sehr aufgeschlossen sind, ist allgemein bekannt. Anglizismen sind sowohl im Alltag als auch in Werbetexten selten zu finden, und wenn doch ein englischer Slogan auftaucht, ist dieser mit einem Sternchenhinweis und einer sichtbar platzierten, französischen Übersetzung markiert. Grund dafür ist das Gesetz Toubon von 1994 zum Schutz und der Reinhaltung der französischen Sprache.

Die Schlüsselworte für erfolgreiche Marketingkampagnen in Frankreich heißen also Übersetzung und Lokalisierung, denn bei der Sprache kennt der Franzose, und vor allem die französische Kontrollstelle für Werbung (ARPP = l’Autorité de régulation professionnelle de la publicité) kein Pardon. Produktbeschreibungen oder Geschäftsbedingungen auf Englisch für den französischen Markt? Setzen Sie für die Lokalisierung Ihres Internetauftritts und Ihres Angebots lieber auf die Kenntnisse eines kompetenten, muttersprachlichen Spezialisten für Lokalisierung, der sowohl mit der französischen Kultur und Mentalität, als auch mit gängigen SEO-Techniken und rechtlichen Vorschriften für Werbetexte und Produktbeschreibungen vertraut ist. Eine reine Übersetzung von Werbetexten wird dem französischen Markt nicht gerecht. Wortspiele, typische Redewendungen und Alliterationen sind in französischen Marketingtexten Gang und Gebe und können nur von einem erfahrenen Marketing-Spezialisten mit Texter-Background aus dem Deutschen angepasst werden.

2. Nachhaltigkeit wird auch in Frankreich immer wichtiger

Auch wenn der französische Verbraucher nicht gerade den Ruf eines Ökos pflegt, in unserem Nachbarland tut sich etwas – und das auch von politischer Seite. Ein Gesetz gegen Verschwendung und zur Förderung der Kreislaufwirtschaft (loi relative à la lutte contre le gaspillage et à l'économie circulaire) ist unterwegs. Der Gesetzesentwurf wurde am 30. Januar 2020 endgültig vom Senat gebilligt und die konkrete Umsetzung ist nur noch eine Frage der Zeit.
Das Gesetz legt fest, mit welchen Maßnahmen eine Kreislaufwirtschaft erreicht werden soll, in der Recycling und das Reparieren alter oder kaputter Produkte eine bedeutendere Rolle einnehmen sollen. Produzierende Unternehmen und Importeure übernehmen in diesem Modell eine Informationspflicht für die Produkte, die den Zeitraum des Gebrauchs bis hin zur Entsorgung beinhaltet. So sollen beispielsweise elektronische Geräte mit entsprechenden Hinweisen für Reparaturmöglichkeiten und der Verfügbarkeit von Ersatzteilen gekennzeichnet werden. Auch der Anteil an recycelten Materialien, der Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen oder eventuell enthaltene, umweltschädliche  Substanzen sollen so für den Konsumenten transparenter kommuniziert werden. Zudem ist der Hersteller dazu verpflichtet, ein altes Produkt kostenlos zurückzunehmen, wenn der Kunde ein neues kauft. Im Versandhandel muss der Kunde bereits bei der Bestellung auf den Produkttyp und die Menge hingewiesen werden, die er gegen das neue Produkt „tauschen“ kann.
Seitens der Konsumenten ist ebenfalls ein erhöhtes Umweltbewusstsein erkennbar, auch wenn sich dies etwas zeitversetzt zu anderen europäischen Ländern bemerkbar gemacht hat. Einer Studie von Harris Interactive zufolge, die für die Sender M6 und RTL durchgeführt wurde, gaben 72% der Franzosen an, vermehrt auf Nachhaltigkeit zu achten. Rund die Hälfte der Studienteilnehmer gab an, im Alltag vermehrt auf ihren ökologischen Fußabdruck zu achten. Was heißt das für den E-Commerce? Bislang hatten Nachhaltigkeitsberichte oder Fakten zur Corporate Social Responsability für den französischen Markt nicht immer den gleichen Stellenwert wie beispielsweise in Deutschland. Spätestens jetzt empfiehlt es sich, sowohl die gesetzlichen Vorgaben als auch die immer grüner werdende Mentalität in Frankreich beim Angebot zu beachten bzw. entsprechend hervorzuheben.

3. Nutzen Sie die Reichweite der Marktplätze in Frankreich

Marktplätze erfreuen sich in Frankreich größter Beliebtheit, und hierzu zählen nicht nur die allgegenwärtigen, internationalen Marktplätze wie Amazon oder eBay. Im Gegenteil: Frankreich zeichnet sich durch eine Vielzahl an lokalen und spezialisierten Marktplätzen aus, deren Angebote auf das gesamte Zielgruppen-Spektrum ausgelegt sind.  
Gemessen an der Anzahl der User steht gleich an zweiter Stelle nach Amazon die französische E-Commerce-Plattform Cdisount, die in ihren Anfängen auf CDs und DVDs spezialisiert war. Heute umfasst das Sortiment sämtliche Haushalts- und Elektronikgeräte, Möbel, Deko usw. Dabei setzt Cdisount zwar auf bekannte Marken, spricht jedoch den preisbewussten Konsumenten an.
Auch die Fnac sollte kein Fremdwort sein, wenn man sich im französischen E-Commerce Dschungel auskennen und platzieren möchte. Der Marktplatz, der auch im Stationärhandel vertreten ist, bietet in erster Linie Literatur, Filme und Videospiele, aber auch Tickets für Konzerte und andere kulturelle Events, sowie Elektronik. Weitere bekannte Marktplätze in Frankreich sind Veepee (früher ventes privées), la Redoute, insbesondere für hochpreisige Produkthersteller, und der Marktplatz PriceMinister, der mittlerweile Teil von Rakuten ist.
Marktplätze bieten Ihnen durch den hohen Bekanntheitsgrad bei der Internationalisierung nach Frankreich den Vorteil einer großen Reichweite. Außerdem wird Ihr Unternehmen nicht auf den ersten Blick als „Ausländer“ wahrgenommen. Abgesehen von den unterschiedlichen Sortimenten, Zielgruppen und Aufnahmebedingungen der Marktplätze, unterscheiden sich die Anbieter auch in Hinblick der preislichen, logistischen und rechtlichen Konditionen, die Sie bei der Entscheidung für oder gegen den jeweiligen Marktplatz in Frankreich in Betracht ziehen sollten.

4. Berücksichtigen Sie die Online-Kaufgewohnheiten der Franzosen

Ziel des Cross-Border Versands nach Frankreich ist es, nicht auf den ersten Blick als ausländisches Unternehmen wahrgenommen zu werden – außer natürlich diese Besonderheit ist Teil der Markenkommunikation und wird bewusst hervorgehoben. Deshalb ist es wichtig, die Gewohnheiten der französischen Onlinekäufer zu kennen: Welchen Service müssen Sie einem französischen Konsumenten bieten, damit er wie bei seinen gewohnten Online-Shops einkaufen kann, zufrieden ist und im besten Fall zum treuen Kunden wird? Dabei sind vor allem die Zahlmethoden und die Lieferbedingungen von entscheidender Bedeutung.
Bei den Zahlmethoden verliert der in Deutschland wenig alltagstaugliche Scheck auch in Frankreich immer mehr an Bedeutung. Richtet sich Ihr Angebot an eine ältere Zielgruppe, sollten Sie die Bezahlung per Scheck jedoch auf keinen Fall außer Acht lassen. Das Zahlungsmittel Nummer 1 laut Fevad ist die Bankkarte: Rund 80% der Franzosen zahlen Ihre Onlinekäufe per Karte, also im Voraus. Die Überweisung hingegen wird von einer verschwindend geringen Anzahl von E-Commerce-Kunden genutzt und betrifft lediglich 0,9% der Online-Käufe.

Die Lieferbedingungen stellen ein weiteres Nadelöhr des Cross-Border Versands nach Frankreich dar. Nicht zuletzt, weil Frankreich ein gut funktionierendes Versandsystem aufweist und die Kunden daher ein hohes Servicelevel gewohnt sind. Die kostenlose Lieferung ab einem bestimmten Warenwert und ein zuverlässiger Versandpartner sind entscheidende Kriterien für oder gegen einen Kauf bei einem ausländischen Unternehmen. 86% der französischen E-Commerce-Kunden nutzen übrigens die Hauszustellung, 83% die Lieferung an einen „point relais“, also einen Paketshop, der mit dem Zusteller zusammenarbeitet.

5. Vertrauen Sie auf starke Partner für Ihr Internationalisierungsprojekt

Eine Beratungsagentur, die weiß, was bei den offiziellen Schlussverkäufe zu beachten ist, welche Bedeutung die „Rentrée“ in der Markenkommunikation einnimmt, und die Ihre Mitbewerber und deren Strategien kennt, ist für jede internationale Expansion Gold wert. Meistens sind es die Soft Facts und sprachliche Nuancen, die darüber entscheiden, ob eine Marke als lokal oder fremd wahrgenommen wird. Deshalb sind gute Kenntnisse über die kulturellen Eigenschaften neben den organisatorischen und logistischen Faktoren Dreh- und Angelpunkt für internationalen Erfolg. Gerade in der Planungs- und Anfangsphase ist es sinnvoll, auf Coachings und Workshops von spezialisierten Beratern für Frankreich zurückzugreifen, die später beispielsweise durch einen internen, französischsprachigen Country Manager nahtlos ersetzt werden können.
Zu einem stabilen Netzwerk zählt auch der Austausch mit anderen Unternehmen. Gerade im deutsch-französischen Kontext gibt es viele Möglichkeiten, mit anderen Unternehmen, die ebenfalls in Frankreich aktiv sind, in Kontakt zu treten, beispielsweise über die deutsch-französische Industrie- und Handelskammer. Auch die Fevad, führender E-Commerce und Versandhandelsverband in Frankreich, stellt eine gute Möglichkeit zum Networken dar. Sie besteht aus einem Netzwerk von über 600 Versandhändlern und hat sich zum Ziel gesetzt, den E-Commerce zu fördern und Qualitätsstandards festzulegen. Dazu zählen auch ein umfassender Verhaltenskodex zum Schutz von Verbrauchern sowie ein E-Commerce-Mediations-Service.
Auch ein geeigneter Fulfillment-Dienstleisters kann eine große Entlastung bei der Internationalisierung und beim Cross-Border Versand sein. Vor allem wenn Sie nicht auf Dienstleistungen eines Marktplatzes zurückgreifen können oder wollen, sollten Sie diese Möglichkeit in Betracht ziehen, um den französischen Online-Käufern ein Stück näher zu kommen. Denn über einen Fulfillment-Dienstleister können Sie Ihren französischen Kunden zusätzlich zur Onlinebestellung einen französischsprachigen Kundenservice inklusive Bestell-Hotline  anbieten.

Aller Vorbereitung und externer Unterstützung zum Trotz bleibt am Schluss dennoch der Sprung ins kalte Wasser – wagen Sie ihn. Und nutzen Sie die Anfangsphase, um aus wichtigen Beobachtungen zu lernen und entsprechend darauf zu reagieren. Gerade die sensible Anfangsphase birgt großes Lernpotential, das Sie für die zukünftige Optimierung Ihrer Strategie nutzen können.  Sie werden auf neue Probleme, aber auch neue Möglichkeiten stoßen, eine neue Kultur aus einem ganz anderen Blickwinkel kennen lernen und vor allem: neue Entwicklungsmöglichkeiten für Ihr Unternehmen entdecken.

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