Online-Shopping Deutsche &

Franzosen: ein Vergleich

Deutschland und Frankreich verbindet nicht nur eine gemeinsame Grenze, sondern eine jahrzehnte- lange Zusammenarbeit und Freundschaft, die wesentlich für Europa ist. Dies zeichnet sich auch in der E-Commerce-Branche ab: Laut eines Reports von Cross-Border Commerce Europe weisen Deutschland und Frankreich neben Großbritannien die größten Handelsvolumina im Bereich E-Commerce für das Jahr 2021 auf – und sind damit eine Art Motor des E-Commerce für Europa. Für viele deutsche Unternehmen ist Frankreich deshalb der erste und wichtigste Auslandsmarkt – und vice versa.

Doch trotz geographischer Nähe gibt es einige Unterschiede im Online-Shopping-Verhalten der Deutschen und Franzosen, die für ein erfolgreiches Geschäft im Partnerland nicht zu vernachlässigen sind. Die folgenden Punkte zeigen, wie Sie Kunden diesseits und jenseits des Rheins rundum überzeugen können.

Entwicklung &Trends                                

Laut einer Umfrage von bitkom shoppen 43% der Deutschen wesentlich mehr im Internet als vor der Pandemie – und ein Großteil davon gibt an, Einkaufsgewohnheiten langfristig geändert zu haben. Als wichtigster Grund dafür wird neben dem größeren und günstigeren Angebot im Internet die Flexibilität und das bequeme Shoppen von zuhause aus angeführt – und das am besten mobil. 60% der Befragten geben an, vorwiegend mit dem Smartphone zu shoppen. Besonders wichtig ist es deshalb, bei der Konzeption des Online-Shops auf eine Smartphone-geeignete Darstellung zu achten. Am liebsten shoppen die Deutschen Telekommunikationsartikel online, dicht gefolgt von Mode sowie Freizeit & Hobbyprodukten.

In Frankreich lässt sich ein ähnlicher Wandel beobachten. Ganze 40% der Franzosen geben an, mehr online zu shoppen als vor der Pandemie (blogdumoderateur). Gewinnerbranchen sind hierbei Mode- und Kosmetikprodukte sowie Freizeit- und Interieur-Artikel. Auch in Frankreich nimmt die Popularität des Mobile Commerce zu. Laut des Jahresberichts 2022 der Fevad (Fédération du e-commerce et de la vente à distance), shoppen 53,3% der Franzosen von ihrem Smartphone aus.

Steigendes Bewusstsein für Umweltschutz & Nachhaltigkeit

Der Klimawandel und drohende Rohstoffpreiserhöhungen rücken die Forderung nach Umweltschutz und Nachhaltigkeit zunehmend in den Vordergrund. In einer Studie des Marktforschungsunternehmens dynata geben 63% der deutschen und sogar 70% der französischen Teilnehmer an, lieber bei umweltfreundlichen Unternehmen einzukaufen. Dies ist auch für den E-Commerce von großer Bedeutung: Grundsätzlich sprechen sich der Großteil der Teilnehmer beider Länder dafür aus, Bestellungen in einem Paket zu verschicken, um Verpackung zu sparen. Dennoch gibt es in der konkreten Umsetzung einige Unterschiede:

53% der deutschen Online-Shopper betonen, wie wichtig es ihnen wichtig ist, dass ihr Wunschartikel über eine unabhängige Umweltzertifizierung verfügt – ein bedeutender Schritt, um Vertrauen und Transparenz zu schaffen. Als wesentliche Aspekte werden hierbei vorwiegend eine offene und ehrliche Kommunikation in Bezug auf Lieferketten, Produktion und Produkteigenschaften genannt. In Frankreich ist es nur 25% der Verbraucher wichtig, dass Produkte mit entsprechenden Siegeln zertifiziert sind.

Auf der anderen Seite ist die Retourenquote in Deutschland wesentlich höher. (https://elib.dlr.de/115779/1/Seidel-Blanquart_2020_RTS_ecommerce.pdf/EHI). Dies mag daran liegen, dass Retouren in Deutschland grundsätzlich meist (noch) kostenfrei sind. Obwohl dies mittlerweile durch das geltende EU-Gesetz aufgehoben ist, sind kostenlose Retouren weiterhin der Regelfall und werden von Kunden erwartet. Zudem wird in Deutschland häufig und gerne per Rechnung bezahlt – es werden nach Erhalt der Bestellung also nur die Artikel bezahlt, die dem Kunden gefallen und die er behalten möchte. Schwanken deutsche Kunden zwischen zwei Kleidergrößen oder können sich zwischen verschiedenen Modellen nicht entscheiden, werden gerne beide Optionen bestellt. In Frankreich hingegen wird der Kauf grundsätzlich per Vorkasse abgewickelt. Somit landen meist auch nur die Artikel, bei denen eine echte Kaufabsicht besteht, im Warenkorb – bezahlt wird schließlich direkt. 

Lieferpräferenzen

Ganz wesentlich unterscheiden sich die Lieferpräferenzen der beiden Nachbarländer. Während der verschiedenen Lockdowns haben zwar insbesondere lokale Geschäfte mit hybriden Click & Collect-Systemen erste Erfolge erzielt, der Großteil der deutschen Kunden bestellt aber immer noch am liebsten direkt vor die Haustür oder an den Arbeitsplatz -  und bittet im Zweifelsfall den Nachbarn, das Paket anzunehmen. Vielleicht ist dies der Grund, weshalb deutschen Versandhandelskäufern eine Sendungsverfolgung besonders wichtig ist.

In Frankreich ist es hingegen Standard, Pakete an Packstationen schicken  zu lassen - dies sollte deshalb unbedingt von Online-Shops als Option angeboten werden. Die sogenannten Relais colis befinden sich oft an zentralen Alltagsorten wie Supermarkt, Laden, Kiosk und Co., die kundenorientierte Öffnungszeiten versprechen. So kann das Paket jederzeit und zuverlässig geliefert werden. Der Kunde erhält anschließend eine Benachrichtigung und kann seine Bestellung ganz bequem abholen – vielleicht an einem Ort, der sowieso auf dem Heimweg liegt? Und ein kleiner Bonus: oft werden damit auch Transportwege gespart!

Besonders hohen Stellenwert haben für deutsche und französische Kunden Lieferkosten und Lieferzeiten. Laut des Lieferkompasses von sendcloud erwarten die Deutschen, dass eine Lieferung 2-3 Tage nach der Bestellung bei ihnen eintrifft und auch Franzosen wollen nur 3 Tage warten. Die Studienteilnehmer geben sogar an, dass eine zu hohe Lieferzeit, in beiden Ländern mehr als 5 Tage, zum Kaufabbruch führen kann!

Der Zahlungs-Dschungel

Die meisten Online-Shops bilden beim Gang zur Kasse eine ganze Bandbreite an Zahlungsmitteln ab – doch die unterschiedlichen Präferenzen werden beim Blick über die Landesgrenze schnell deutlich.

Die deutschen Versandhandelskäufer bevorzugen zu 28,3% den Kauf auf Rechnung, dicht gefolgt von Paypal-Zahlungen (28,2%). Ganze 17,4% der Kunden präferiert das Lastschriftverfahren oder den Bankeinzug und lediglich 11,4% entscheiden sich für die Kreditkartenzahlung (EHI).

Letztere steht bei den französischen Nachbarn mit 80% allerdings hoch im Kurs. Immerhin ungefähr

11,5% der Kunden setzen (Statista) auf Online-Zahlungsdienstleister, wie beispielsweise Paypal. Nur  0,9% der Käufer gibt an, per Überweisung oder Bankeinzug zu bezahlen. Überweisungen sind höchstens bei Behörden oder im B2B-Geschäft üblich, im B2C-Versandhandel hingegen nicht. Grundsätzlich wird in Frankreich per Vorkasse bezahlt – ein Versand auf Rechnung ist insbesondere bei Neukunden eine Seltenheit. Eine Besonderheit in Frankreich: auch wenn die Popularität der Scheckzahlung abnimmt, ist diese vor allem bei älteren Kunden immer noch Standard und nicht zu vernachlässigen.

Sprachen-Liebe

Webshop und Inhalte in der jeweiligen Landessprache anzubieten, baut nicht nur Sprachbarrieren ab, sondern ermöglicht auch eine ideal auf den Zielmarkt abgestimmte Kundenansprache – das schätzen sowohl deutsche als auch französische Kunden. Hier lohnt es sich, Experten zu Rate zu ziehen: denn neben einer fehlerfreien Übersetzung von Produkttexten, Impressum & Co geht es auch darum, den Content optimal an das jeweilige Zielland anzupassen – mit einem Fingerspitzengefühl, das (fast) nur Muttersprachler mitbringen. So wirkt die deutsche Sprache oft wesentlich direkter, während Werbetexte in Frankreich mit Bildern und den für die französische Sprache bekannten blumigen Formulierungen überzeugen.

Frankreich geht allerdings noch einen Schritt weiter. Die Präferenz für Wörter in der Landessprache ist in Frankreich sogar im Gesetz verankert: Das 1994 verabschiedete Gesetz zum Schutz der französischen Sprache, nach Ihrem Begründer auch „Loi Toubon“ genannt, schreibt explizit die Verwendung der französischen Sprache in bestimmten Anwendungsbereichen, z.B. Verträgen, Benutzerhandbüchern oder Werbung vor.  In der Praxis haben Anglizismen durchaus ihren Einzug in den oder anderen Slogan erhalten, sollten aber in der Marketingkommunikation rechtskonform mit einem Sternchenhinweis und der französischen Übersetzung ergänzt werden. Umso wichtiger ist es, mit viel Liebe zum Detail und zur Sprache die Website-Lokalisierung anzugehen!

Ein Kundenservice in der Landessprache sowie eine nationale Rufnummer sind sowohl für Deutsche, als auch für Franzosen sehr wichtig. So wird nicht nur Vertrauen aufgebaut, sondern auch eventuelle Sprachbarrieren werden abgebaut.

Der landestypische Versandhandels-Kalender

Sowohl in Deutschland, als auch in Frankreich diktieren wichtige Ereignisse und Feiertage den Kalender der Angebote – allerdings gibt es auch hier durchaus kulturelle Unterschiede.

In Deutschland wird beispielsweise der Adventszeit eine ganz besondere Bedeutung zugemessen. Adventskranz, die Adventssonntage, Adventskalender… das alles sind wichtige Rituale der Vorweihnachtszeit – und dies findet sich auch in der Werbung wieder. Viele Unternehmen veranstalten beispielsweise eigene Adventskalender mit spannenden Angeboten für jeden Tag. Eine tolle Chance für die Kundenkommunikation! Auch der 6. Dezember, der Nikolaustag, wird in Deutschland mit allerlei Süßigkeiten gebührend gefeiert. In Frankreich spielt allerdings Regionalität eine große Rolle. Zwar dürfen auch die meisten französischen Kinder Türchen im Adventskalender öffnen. Doch nur im Nordosten von Frankreich, oder genauer gesagt, im grenznahen Elsass und Lothringen stellen die Kinder am 6. Dezember hoffnungsvoll Ihre Stiefel vor die Tür.

Ein weiteres, alljährliches Highlight sind in beiden Ländern Schlussverkäufe. Durch die Abschaffung der festgelegten Zeiten sind Unternehmen in Deutschland frei in der Gestaltung ihrer Sale-Angebote, in Frankreich sind die Schlussverkauf-Zeiten jedoch nach wie vor gesetzlich geregelt. So sind les soldes, wie die Franzosen den Sale nennen, ein Großereignis mit festgelegtem Start- und Enddatum, das sogar auf der Website des französischen Wirtschaftsministeriums zu finden ist. Eine kleine Ausnahmeregelung gibt es allerdings: neben den zwei offiziellen soldes-Perioden haben Händler zusätzlich das Recht, im Rahmen der soldes flottantes an zwei beliebigen Wochen (allerdings mit mindestens einem zeitlichen Abstand vom offiziellen Sale) einen zusätzlichen Schlussverkauf zu veranstalten.

Ein weiteres großes Thema im französischen Versandhandelsjahr ist la rentrée. Als rentrée wird eigentlich der Beginn eines neuen Schuljahres bezeichnet. Sicher werden auch in Deutschland zum Schuljahresbeginn im September verstärkt Schreibwaren, Kinderkleidung und Co. beworben. In Frankreich ist la rentrée allerdings generationsübergreifend und bezieht sich vielmehr auf den Start in den Herbst nach der Sommerpause. Die Sommerferien sind nämlich in Frankreich mit 8 Wochen deutlich länger als in Deutschland und werden auch les grandes vacances, also die „großen Ferien“ genannt. Um die Zeit mit ihrer Familie genießen zu können, nehmen die Franzosen gerne länger Urlaub, manche Behörden und vereinzelt auch Unternehmen schließen sogar komplett. Deshalb ist die rentrée für die ganze Familie eine Art Neubeginn in ein neues Schuljahr oder in ein neues Arbeitsjahr. Dies nehmen die meisten Versender, egal welcher Branche, zum Anlass für eine Kampagne mit interessanten Angeboten ganz im Zeichen des Saisonstarts.

Und noch ein Feiertag mit amüsanter Tradition: am 02.Februar, Mariä Lichtmess, feiert Frankreich la Chandeleur. Im Alltag ist dieser Tag allerdings eher als nationaler Crêpes-Tag bekannt, da die runden Crêpes in sonnig gelber Farbe die traditionelle Speise für diesen Tag sind.

Trotz dieser kleinen, aber doch nicht zu vernachlässigenden Unterschiede, sind sowohl Frankreich als auch Deutschland interessante Zielmärkte für Händler. Mit einer guten Kenntnis der Online-Shoppinggewohnheiten, einer optimaler Vorbereitung und der richtigen Beratung sind Sie bestens für den Zielmarkt gewappnet. Lokale  Anpassungen, wie die Wahl der richtigen Zahlungsmethoden, der perfekte Slogan in Landessprache oder das passende Angebot zum richtigen Zeitpunkt garantieren den gewünschten Erfolg.